Liebe zu Köln: Wallraf rettete Kunst

Stefan Lochner, Weltgericht, um 1435, Eichenholz, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Foto: RBA Köln

Der Kunstsammler, Rektor der damaligen Kölner Universität und Theologe Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824) vermachte seiner Heimatstadt eine gewaltige Sammlung ungeordneter, sehr verschiedener Kunststücke – zur Wahrung der Kunst für die Nachwelt. Auch zu Lebzeiten war diese schon für Zeitgenossen wie Goethe und Schlegel interessant. In der Sammlung sind besonders solche Kunststücke vertreten, die einen Bezug zu Wallrafs geliebter Stadt Köln aufweisen. Wichtige Werke von Lochner, Rubens, Dürer sind inklusive. Längst sind diese Zeichnungen, Gemälde, antike Möbel, Rüstungen, Waffen, Münzen, Mineralien, Briefe, Bücher und weiteres sortiert und auf die diversen Museen der Stadt aufgeteilt. Zu Ehren Wallrafs zeigt das Wallraf-Richartz-Museum mit „Wallraf’s Erbe. Ein Bürger rettet Köln“ nun geeint die vielfältige Sammlung (bis 8. Juli 2018).

Die Sammlung Wallrafs geeint

300 Ausstellungsstücke der ehemals 400.000 Objekte sind im Wallraf-Richartz-Museum für die Jubiläumsausstelltung zusammen getragen. Sowohl die Werke stehen im Fokus, wie auch die Person Ferdinand Franz Wallraf, die Bedeutung der Sammlung und die Lage des Wallraf-Richartz-Museums heute. Die Sonderausstellung gibt – thematisch geordnet – einen wichtigen Überblick über die Chronolgie von damals bis heute. Dieser fördert das Verständnis für und die Einblicke in die Kölner Vergangenheit. Ein Infoheft ist für die Besucher frei verfügbar: Darin ist das Verzeichnis der ausgestellten Werke samt einiger Zusatzinformationen. Die Werke befinden sich dabei nicht nur, wie bei einer Sonderausstellung im Wallraf üblich, in der untersten Etage, sondern sind auch im ersten und zweiten Geschoss in der ständigen Sammlung des Hauses auffindbar. Führungen, Vorträge der Museumsfreunde und die App „Wallraf digital“ ergänzen das Angebot.

Wallrafs Erbe

Im Untergeschoss sieht der Besucher der „Wallraf’s Erbe. Ein Bürger rettet Köln“ Ausstellung zu allererst in Vitrinen eine Auswahl an Zeichnungen, Schnitzereien, Büchern und Mineralien und mehr, um einen ersten Einblick in die Diversität dessen zu geben, was Wallraf unaufhörlich zur Wahrung der Kunst und der Wissenschaften gesammelt hat. Schließlich war sein Mentor Hardy sowohl Künstler, als auch Naturwissenschaftler und Gelehrter. Wallrafs Interesse ging gleichsam über die Kunst hinaus. Bildung war ihm wichtig. Die große Liebe dazu, zur Kultur und zur Stadt Köln mündete in Wallrafs Vermächtnis an die Domstadt, seine vielfältige Sammlung solle für ewig eben dort verbleiben und niemals veräußert werden.

Schon zu Lebzeiten hatte Wallraf in einigen seiner Wohnräume, sowie in einem öffentlicheren Gebäude seine Sammlung zugänglich untergebracht, jedoch äußerst eng zusammengepfercht und höchst ungeordnet. Man sprach von Chaos. Immer dann jedoch, wenn man ihm riet, eine Sortierung und Ordnung zu schaffen – so z.B. von Seiten Goethes, welcher von Wallraf eine Führung erhalten hatte – so wandte Wallraf sich uninteressiert ab. Denn das Sammeln und Bewahren der Kunststücke war ihm weit aus wichtiger, als die Analyse. Diese überließ er der Nachwelt und der Stadt Köln.

Nach Wallrafs Tod wurde das Wallrafianum errichtet, das erste öffentliche Museum, in dem seine Sammlung gezeigt wurde. Heutzutage sind die Exponate auf das Wallraf-Richartz-Museum, die Universitäts- und Stadtbibliothek, das Historisches Archiv der Stadt Köln, Geomuseum, Römisch-Germanisches Museum, Museum Schnütgen und das Museum für Angewandte Kunst verteilt. Dank des kulturellen Interesses und des Einsatzes Wallrafs sind heute so vielfältige und zahlreiche Kunststücke in der Domstadt zu sehen.

Wallrafs Schrift „Der Senat der Ubier“

Zeit seines Lebens war Wallraf patriotisch seiner Heimatstadt Köln gegenüber. Er setzte sich in Zeiten der französischen Revolution mit seinem Freund DuMont, dem damaligen Bürgermeister der Stadt Köln dafür ein, dass Köln unabhängig verleibe. DuMont hielt eine entsprechende Rede im Pariser Parlament, basierend auf Wallrafs Schrift „Senat der Ubier“. Wallraf erklärte darin, dass die Stadt seit den Römern eine eigenständige Demokratie gewesen sei, ebenso wie jetzt die Französische Republik. Wallraf und DuMont scheiterten damit jedoch im großen Stil. Folglich wurde Köln von den Franzosen besetzt und die Moderne zog in die Domstadt ein – welche Wallraf allerdings im Sinne der Aufklärung begrüßte.

Wallraf als Rektor der Kölner Universität

Er verfasste später Lobeshymnen an Napoléon, der durch Köln zog. Noch später wiederum verteufelte er diesen und schrieb deutliche Diffamierungen in dessen Richtung. Zudem entwarf er als letzter gewählter Rektor der im Jahre 1798 geschlossenen Alten Kölner Universität „weitreichende Pläne zur Reform des rheinischen Hochschulwesens. Als literarisch und künstlerisch interessierter Zeitgenosse hinterließ er nicht nur ein beachtliches eigenes Oeuvre, sondern scharte schon früh bedeutende Gelehrte, Dichter und junge Künstler wie Schlegel, Gau oder Hittorf um sich.“ (Quelle: Universität zu Köln)

Abschluss und Fazit zur Ausstellung „Wallraf’s Erbe. Ein Bürger rettet Köln“

Weitere Informationen zu Wallrafs Leben und Wirken präsentiert die Schau „Wallraf’s Erbe. Ein Bürger rettet Köln“. Ein Einblick ist dort gegeben in die Pläne zum damaligen Wallrafinum, sowie der Lage des heutigen Wallraf-Richartz-Museums gegenüber dem im Bau befindlichen Jüdischen Museums in Köln, ein Infofilm und natürlich die diversen Ausstellungsstücke selbst – wichtige Werke von Dürer, Rubens und Lochner inbegriffen. Die Sonderausstellung macht dabei deutlich, welche ausschlaggebende Bedeutung Ferdinand Franz Wallraf, dem Bewahrer der Kunst in der Stadt Köln, beizumessen ist.

Die Lehrstühle für die Geschichte der Frühen Neuzeit und der Allgemeinen Kunstgeschichte der Universität zu Köln haben aus Anlass des 200. Jahrestages der Eröffnung des Wallrafschen Testaments, mit dem der Gelehrte seine Objekt- und Kunstsammlung am 9. Mai 1818 der Stadt Köln vermacht hat, das Ausstellungsprojekt zusammen mit dem Wallraf-Richartz-Museum ins Leben gerufen, gefördert vom LVR (Landschaftsverband Rheinland).